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Gegenüberstellung harter / äußerer und weicher / innerer Stile


Quelle: Examensarbeit zum 4. TG von Otfried Glaser, Mai 2005, 3. Kapitel ff., S. 15 ff.


 

Grundsätzlich gibt es mehrere Unterscheidungskriterien. Es wird differenziert zwischen:

 

- harten und weichen Stilen

- äußeren und inneren Stilen

- so genannten Opernstilen

- Gesundheitssystemen

- Kampfsport

- Kampfkunst

 

Die Kunst des Kämpfens fasziniert den Menschen seit jeher. Die sich entwickelnden verschiedenen Kampfmethoden haben vermutlich den gleichen Grundgedanken, unterscheiden sich aber erheblich durch ihre jeweiligen Schwerpunkte. Bei den sog. „Opernstilen“, zu denen das wohl jedem bekannte Shaolin-Kung-Fu zählt, geht es mittlerweile hauptsächlich um publikumswirksame, artistische Bewegungen, die schön anzuschauen, aber für den Kampf recht ungeeignet sind. Diese Stilformen werden gerne wegen ihrer anmutigen und zugleich dynamischen Bewegungen in der chinesischen Oper verwendet. Daher stammt auch die Bezeichnung „Opernstil“.

Gesundheitssysteme – wie das Tai-Chi (Abb. 19) – haben ihren Nutzen in erster Linie in der Gesunderhaltung des Körpers und der Stärkung des inneren Gleichgewichtes.

Ursprünglich zählte Tai-Chi zwar zu den Kampfsystemen, verlor jedoch im Laufe der

Zeit bei den meisten Anwendern seinen kämpferischen Aspekt. Einige Lehrer unterrichten die Formen und Anwendungen des alten Kampfsystems auch heute noch diese sind allerdings in der Minderheit.

Zu den Vertretern der harten/äußeren Stile gehört das Hung-Gar-Kung-Fu, das Kranich-Kung-Fu und die meisten aus Nordchina stammenden Kampfstile. Der Hauptvertreter dieser Kampfmethode ist das, vom Namen her wohl bekannteste, Shaolin-Kung-Fu. Auch die meisten Kampfsportarten gehören zu den harten/äußeren Stilen. ingTsun hingegen zählt als Hauptvertreter der weichen/inneren Stile, zu denen an auch Hsing-I, Pakua und andere aus Südchina stammende Stile rechnen kann.

 

 

3.1. Was sind harte Stile?

Bei harten Stilen wird dem Angriff des Gegners Widerstand entgegengesetzt. Der Fauststoß des Gegners wird z.B. geblockt. Wenn der Gegner zieht, wird dagegen gezogen. Wenn der andere uns zurückstoßen möchte, halten wir dagegen. Dazu ist der Einsatz von Muskelkraft nötig. Dass dies keine rohe, unkontrollierte Kraft sein muss, sondern auch Technik dazu gehört, ist nicht zu bezweifeln. Körperliche Kraft und Ausdauer haben deshalb für harte Stilisten besondere Bedeutung. Einen entsprechenden Stellenwert hat darum das Konditions- bzw. Krafttraining. Einer der typischsten Vertreter harter Stile ist das schon zuvor erwähnte Shaolin-Kung-Fu oder seine Enkel aus Japan das Karate (Abb. 20) und aus Korea das Taekwondo (Abb. 21).

Fachkundige bezeichnen die harten Stile auch als äußere Stile. Für diese Bezeichnung können mehrere Gründe verantwortlich sein:

1.      Harte bzw. äußere Stile benutzen äußere Kräfte, d.h. die eigene Körperkraft.

2.      Wenn man zwei Kämpfer als System betrachtet, benutzt der äußere Stilist Kräfte von außen (von außerhalb des durch die beiden Kämpfer gebildeten Systems; z.B. die Schwerkraft beim Fauststoß mit Ausfallschritt und Gewicht auf dem vorderen Bein.)

3.      Dem Gerücht nach wurden in den chinesischen Klöstern die so genannten inneren Kräfte (Chi-Kraft) des Kung-Fu geschult, außerhalb aber nur die äußeren. Wahrscheinlich war es gerade umgekehrt, wenn man das Shaolin-Kung-Fu betrachtet, welches nicht härter oder äußerer sein könnte.

4.      Harte Stilisten benutzen tiefe, feste Stände und starke, unverrückbare Armtechniken, mit denen sie versuchen, die Angriffe eines Kontrahenten mit Muskelkraft zu zerstören.

 

 

3.2. Was sind weiche Stile?

Weiche Stile setzen der gegnerischen Kraft nicht ihre eigene entgegen. Stattdessen geben sie der Kraft des Gegners „klug“ nach, damit dieser sein Gleichgewicht verliert. Wenn der Gegner den weichen Stilisten zieht, folgt dieser dem Zug; wenn er gestoßen wird, weicht er aus. Ein Faustangriff wird nicht geblockt, sondern weich aufgenommen und weitergeleitet. Dazu mehr in den folgenden Kapiteln. Der weiche Stilist passt seine Abwehr dem Angriff an. Je besser sie angepasst ist, desto weniger eigene Kraft muss er hinzufügen. Hieraus resultiert, dass der weiche Stilist im Idealfall kein Krafttraining benötigt; denn er borgt die Kraft (und die Schnelligkeit) vom Angreifer. Nur der weniger perfekte Anwender eines weichen Stils kann auf ein Krafttraining nicht verzichten, da seine Antworten (im kämpferischen Sinne) nicht ganz auf die Fragen des Angreifers passen. Er muss sie deshalb mit „Gewalt“ passend machen. Weil der weiche Stilist immer die passende Antwort finden muss, darf er nicht stereotyp verfahren. Keine vorgefertigte Antwort, keine einstudierte Kombination, keine eingeschliffene Technik kann ihm helfen. Denn keine Angriffssituation ist gleich. Selbst unter 50 Fauststößen verschiedener Angreifer, die etwa die Brust treffen möchten, gibt es nicht zwei identische. Also gibt es auch nicht die pauschal passende Abwehr gegen jeden Fauststoß zur Brust. Konservierte Antworten gehören deshalb ins Repertoire der harten/äußeren Stile, die ihre ungefähr passende Pauschalantwort mit Gewalt passend machen wollen. Der Anwender eines weichen Stils betrachtet einen Angriff als Frage, auf die er erst noch eine adäquate Antwort finden muss. Der Anhänger der harten Schule hat seine Antworten schon parat – er muss nur noch auf eine ungefähr passende Frage warten. Der ideale weiche Stilist kennt konsequenterweise keine feste Technik, übt kaum Kombinationen, sondern folgt nur einigen bestimmten, wenigen Kampfprinzipien. Seine Abwehr ist die einmalige Schöpfung des Augenblicks, er improvisiert, er ist kreativ in seinem Handeln. Die weichen Kampfkünste werden auch oft als die inneren bezeichnet. Für diese Bezeichnung gibt es verschiedene Gründe:

 

1.      Innere Stile benutzen innere Kräfte. Damit kann die vom Gegner geborgte Kraft oder auch die – leider oft mystifizierte – Chi-Kraft (Ki, Prana) gemeint sein.

2.      Denkt man sich zwei Kämpfer als ein System, so benutzt der innere Stilist nur die Kräfte innerhalb dieses Systems.

 

 

3.3. Mischformen zwischen weichen/inneren und harten/äußeren Stilen

Der Ursprung der weichen/inneren Stile lag in China. Verantwortlich für ihr Entstehen war Laotses taoistische Philosophie des klugen Nachgebens. Das alte, in Japan wohl nicht mehr existente Jiu-Jitsu z.B. stammt auf Umwegen von den weichen chinesischen Stilrichtungen ab. Ebenso gibt es diese Verwandtschaft im Judo oder Aikido. Selbst im harten Karate gibt es einige, aber wenige japanische Stilrichtungen, die neben den harten auch weiche Elemente beinhalten, z.B. das noch relativ stark chinesisch beeinflusste Go-Ju-Karate. „Go-Ju“ bedeutet bezeichnenderweise „hart-weich“.

Abb. 22: aus (22)

So gibt es innerhalb der Stilrichtungen eine Bandbreite, die von 1%-100% weich

stufenlos alle Kombinationen zulässt. Wann man einen Stil als weich bezeichnen kann, darüber gehen die Meinungen – je nach dem eigenem Standpunkt – weit auseinander. Für einen Shotokan-Stilisten ist ein Hung-Gar-Kung-Fu-Stilist hart, ein Go-Ju-Karateka empfindet den Shotokan-Kämpfer als hart, der Ju-Jutsuka (moderne Schreibweise; früher = Jiu-Jitsu) hält den Go-Ju-Anhänger für hart, der Aikidoka oder Tai-Chi-Ausübende stuft vielleicht Ju-Jutsu als hart ein. Der WingTsun-Anwender empfindet die meisten anderen Stile als hart.

 

 

3.4. Vor- und Nachteile der weichen/inneren Stilrichtung

 

Nichts ist weicher als Wasser, dennoch besiegt es das Härteste.

Laotse

Wer mit der Kraft des Gegners zu arbeiten versteht, den Gegner nicht als Störer, sondern als Erfüllungsgehilfen versteht, der kann gegnerische Stärke in Schwäche und eigene Schwäche in Stärke verwandeln. Die weichen Stile sind deshalb eine wirkliche Chance für, sich sicher gegen Stärkere zu verteidigen. Das Prinzip des Siegens durch Nachgeben erscheint dem Anwender in der Theorie recht einfach, um so schwerer ist es, die Theorie in die Praxis umzusetzen; denn ein Prinzip zu verstehen ist leicht, nach einem Prinzip zu handeln ist schwierig. Der weiche Stil ist nur wirksam, wenn man wirklich keinen Widerstand leistet. Dies ist nicht einfach, da man sich hierbei völlig entspannen muss. Um das Entspannen antagonistischer Muskeln systematisch zu trainieren, gibt es im WingTsun eine besondere Gymnastik oder Meditationsübung in Bewegung. Es handelt sich hierbei um die erste Form des WingTsun – die Siu-Nim-Tau (vgl. Kap. 12.1.) – oder Bewegungsformen aus dem WingTsun-ChiKung. Außerdem muss der WingTsun-Anwender die Energierichtung des Gegners taktil (per Tastsinn) erkennen und weiterführen lernen, denn die Augen können Druck-oder Zugkräfte nicht eindeutig identifizieren und sind zudem täuschungsanfällig (Finten). Um die taktile Angriffserkennung systematisch zu trainieren, gibt es im WingTsun z.B. die Partnerübungen des Chi-Sao (klebende Arme) oder Chi-Gerk (kle-bende Beine). Fortgeschrittene WingTsun-Schüler trainieren diese Sensibilisierung auch mit verbundenen Augen. Die Tatsache, dass im WingTsun weit über 60% der Trainingszeit auf solche Gefühls- oder Reaktionsübungen verwendet wird, zeigt, dass die weiche Richtung sehr arbeitsintensiv ist.

 

Während der harte Stilist durch Verbesserung seiner Kondition und den daraus resultierenden Kraftanstrengungen sich subjektiv als stärker und damit wehrhafter empfindet (was nicht immer stimmen muss, aber seinem Selbstbewusstsein gut tut), neigt der weiche Stilist eher dazu, sich anfangs noch unsicherer zu fühlen; denn am Anfang ist das Gleichgewicht gestört und die Muskeln (Antagonisten) verspannt. Was das Training der weichen Richtung am Anfang besonders schwierig gestaltet, ist die Diskrepanz der nachvollziehbaren Logik, die sich zunächst nur schwer in Bewegung umsetzen lässt. Denn hart oder weich ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern vielmehr der praktischen Lebenseinstellung, die sich mit den Jahren und damit einhergehenden Erfahrungen verbessern lässt. Der weltbekannte japanische Karate Meister Kanazawa lernte nach eigenen Angaben gerade durch die Beschäftigung mit der weichen Schule sein (hartes) Karate besser zu verstehen. So wie Yin und Yang (Abb. 24) sich ergänzen und bedingen, so gibt das Weiche dem Harten erst seine Bedeutung.

 

4. Unterschied zwischen Kampfsystem und Kampfsport

Im Weiteren werde ich auf die Unterschiede zwischen Kampfsport und Kampf-system eingehen. Ursprünglich wurden die Kampfsportarten wie Karate, Taekwondo oder auch Judo zur Körperertüchtigung und Selbstverteidigung entwickelt. Im Laufe der Jahre und einer zunehmenden Versportlichung dieser Stile weltweit ging der praktische Nutzen der Selbstverteidigung immer mehr verloren. Mittlerweile geht es bei den Kampfsportarten hauptsächlich darum, so zu trainieren, dass der Anwender konditionell sowie technisch und taktisch geschult wird, um in einem Wettkampf nach Regeln und festgelegter Gewichtsklasse drei mal drei Minuten (Amateur) nach Punkten kämpferisch zu bestehen. Der Anwender eines herkömmlichen Kampfsportstils wird darauf hintrainiert, sich gegen einen Kämpfer seines eigenen Stils im Wettkampf zu behaupten. Aufgrund des Schwerpunktes (Wettkampf) ist das Training der Situation angepasst, d.h. der Kampfsportler trainiert seine Kondition, seine Katas bzw. Poomsen (Formen im Karate bzw. Taekwondo) und seine Gelenkigkeit. Im Schnitt baut sich sein Training wie folgt auf: Von den zur Verfügung stehenden 1½ Stunden trainiert er durchschnittlich 20 min seine Dehnfähigkeit, 20 min die Kondition, 20 min Formen und die verbleibende Zeit verbringt er mit Einzeltraining am Sandsack oder mit Partnerübungen. Evtl. bleiben ihm noch 15 min zum Sparring. Im WingTsun baut sich ein Training anders auf. Der Anwender des Leung-Ting-WingTsun beginnt in der Regel sein Training mit Formentraining. Hierbei ist zu differenzieren, dass es sich um zwei verschiedene Grundformen handelt: zum einen die Siu-Nim-Tau (Form „Kleine Idee“) und zum anderen die Chum-Kiu (Form „Suchende Arme“). Der Anwender überprüft anhand seiner Form die für ihn wichtigen Grundtechniken. Die Siu-Nim-Tau beinhaltet elementare Grundtechniken des WingTsun. Bei der Chum-Kiu handelt es sich um ergänzende Techniken. Dieses Training dauert meist nicht länger als eine Viertelstunde. Nach dem Formentraining beschäftigt sich der WingTsun-Schüler mit Einzelübungen am Sand- oder dem Wandsack. Diese Phase dauert etwa 15 Minuten. Nun beginnt der anwendungsorientierte Teil des Trainings. Der Schüler übt mit Partnern verschiedene Anwendungen. Es werden realitätsnahe Situationen trainiert. Am Ende eines jeden Trainings wird das zuvor Erlernte in Form eines Sparrings über-prüft. Im Gegensatz zu Kampfsportarten wird das Training im WingTsun auf alltägliche Gefahrenbereiche zugeschnitten. Beim WingTsun-Training geht es nicht darum, so zu trainieren, dass der Anwender konditionell und taktisch für einen Wettkampf gegen einen Kämpfer des eigenen Stils gewappnet ist, sondern jederzeit einen Aggressor so schnell und effektiv wie möglich (Notwehrrecht) außer Gefecht setzen zu können. Realitätsbezogene Situationen und passende Rollenspiele sollen den Schüler ermutigen, das technisch-taktische Repertoire gezielt umzusetzen.

 

Anhand der Tabelle auf den Seiten 23f. kann man deutlich die Unterschiede zwischen dem Leung-Ting-WingTsun und herkömmlichen Kampfsportrichtungen erkennen. Der Betrachter darf allerdings niemals vergessen, dass es sich hierbei um zwei verschiedene Zielrichtungen handelt. Kampfsportarten wie z.B. Karate, Taekwondo oder Judo und Ju-Jutsu haben ihren eigenen faszinierenden Reiz. Akrobatik und Körpergefühl, Schlagkraft, Disziplin und Durchhaltevermögen prägen diese außergewöhnlichen Sportarten. Gerade deshalb darf man nicht vergessen, dass es sich hierbei um Wettkampfsportarten handelt, deren Sinn darin liegt, nach Punkten und Reglement drei mal drei Minuten im Wettkampfring gegen Kämpfer des eigenen Stils zu bestehen und gegebenenfalls zu siegen. Die Realität auf offener Straße schreibt eigene, andere Geschichten. Auf der Straße oder anderswo gibt es keine Regeln, Fairness, Gewichtsklassen oder Punktrichter.

 

 

Tabellarische Darstellung der Unterschiede zwischen dem Leung-Ting-WingTsun-System und herkömmlichen Stilen

Herkömmliche Stile (Kampfsportarten)

Leung-Ting-WingTsun

Voraussetzungen: Körperkraft, Gelenkigkeit in der Hüfte, Ausdauer

Voraussetzungen: Keine besonderen körperlichen Fähigkeiten; theoretisches Verständnis ist gefragt.

Oft drillmäßiger Massenunterricht Separate Gymnastik

Individueller Unterricht durch Lektionieren (ähnlich Fechten, Boxen) Integrierte Gymnastik

Umwege in der Kampfweise

Lineare, direkte Kampfweise

Eigene Kraft wird benutzt.

Kraft des Gegners wird benutzt.

Vorgeplante (tote) Technik

Lebendige angepasste Technik (Reaktion)

Aktionen des Gegners werden als Störungen aufgefasst, welche die eigene saubere Technik behindern.

Die Aktionen des Gegners werden begrüßt als Impuls- und Energiespender, durch die unsere Reaktionen direkt erzeugt werden.

Stil bzw. Methode

System

Kein regelmäßiges Üben mit Waffen, d.h. Waffe gegen Waffe

Üben mit langen und kurzen Waffen gehört zum fortgeschrittenen Aufbauprogramm

Keine echte Selbstverteidigungschance für Schwächere oder Frauen

Echte Selbstverteidigungschance für Schwächere, da frauenspezifisch konzipiert. Von Frauen für Frauen gegen Männer entwickelt.

Asiatische Philosophie nur Dekoration

Jedes Prinzip, jede Bewegung ist Manifestation der taoistischen Philosophie.

Schnörkel, Schönheit und Vielfalt der Bewegung als Selbstzweck

Keine einzige unnötige Bewegung; Motto: Weniger ist mehr.

Viel Zeremonie

Nur die allernötigste Zeremonie

Starre, aneinander gereihte, abgehackte Einzelaktionen

Fließende, ineinander übergehende Aktionen

Ungeschützte Körpermitte bei Angriff und Abwehr

Geschützte Körpermitte, geschütztes Vorgehen bei Angriff und Verteidigung

Hunderte verschiedene Techniken

Vier Prinzipien

Äußere Kräfte

Innere Kräfte

Verkrampfte, angespannte Kampfweise

Entspannte, flexible Kampfweise

In der Vorkampfstellung ist der Oberkörper angespannt und die Beine meist entspannt oder alles ist angespannt.

In der Vorkampfstellung ist der Oberkörper entspannt, aber Beine sind leicht angespannt.

Kraft sammeln durch Ausholen.

Ansatzloses Stoßen bzw. Treten

Verteidigung durch Abwehr und Konter

Verteidigung durch Vorgehen in den Gegner

Herkömmliche Stile (Kampfsportarten)

Leung-Ting-WingTsun

Erkennen des Angriffs durch die Augen (visuell), dadurch optische Täuschung und Finten eher möglich. Durch Antizipation oft falscher, nicht funktionierender Abwehrversuch

Sichere Angriffserkennung über das Berührungsgefühl (taktil). Optische Täuschung seltener möglich, da man hauptsächlich auf das reagiert, was man fühlt, d.h., was konkret passiert.

Keine komplexen Abwehren; Sicherung gegen Folgetechniken des Gegners ist nicht von vornherein eingeplant.

Alle Bewegungen werden so ausgeführt, als läge ein komplexer Angriff vor, so dass auch auf Folgetechniken ohne Zeitverlust reagiert werden kann. Zu diesem Zweck hat jede Angriffsbewegung geeignete Charakteristiken von Abwehrbewegungen inne.

Kampfsportarten lassen Abstand und Pausen entstehen, so dass der Gegner sich erholen und seinen Angriff neu organisieren kann.

Durch Ketten ununterbrochener Angriffe in schneller Folge und durch ständiges Verfolgen des Gegners hat dieser keine Möglichkeit zur Erholung.

Oft unbeherrschtes, emotionsgeladenes Kämpfen

Emotionsfreies, entspanntes Kämpfen mit kühlem Kopf

Zweizeitigkeit: 1. = Block, 2. = Konter

Gleichzeitigkeit, simultane Aktion

Seitlicher Kampfstand

Frontaler Kampfstand

Viele verschiedene Stände zu erlernen

Nur ein Stand zu erlernen

Kampf nur auf langer bis mittlerer Distanz (z.B. Karate, Taekwondo); bedingt nahkampftauglich.

Lange, mittlere und nahe Distanz; ganz besonders nahkampftauglich

Tiefe, weite und dadurch unbewegliche Stellungen

Relativ hohe und sehr mobile Positionen

Vorkampfstellung: ein Fuß vorne, dadurch Gefahr für das vordere Knie und fußtrittanfällig.

Kein Fuß vorne; neutraler Stand (IRAS).

Lange Schritte

Kurze Schritte

Aktive Wenden

Passives Wenden

Beim Vorgehen kommt die Kraft aus dem Oberkörper. Kopf geht vor.

Bein und Hand führen beim Vorwärtsschritt. Kraft kommt vom Knie. Kopf bleibt hinten.

Weite Bewegungen

Sehr kurze Bewegungsabläufe

Beim Fauststoß wird der Arm nicht ganz gestreckt.

Beim Fauststoß wird Arm ganz gestreckt.

Aktives Abwehren

Passives Abwehren

Abwehren meist Wegschlagbewegungen (Blocks)

Abwehren geht dem Angriff entgegen und nimmt diesen taktil auf.

Keine „Ellbogenkraft“

„Ellbogenkraft“

Meist werden nur zwei Distanzen des Kampfes praktiziert (lange und mittlere). Vgl. Kapitel 6.4.

Alle fünf Distanzen des Kampfes werden praktiziert. Fußtritt-Distanz Handtechnik-Distanz Ellbogen- und Knieeinsatz Nahkampf oder Wurf- und Hebeldistanz Bodenkampf

Tab. 1: Vergleich der Unterschiede zwischen dem Leung-Ting-WingTsun-System und herkömmlichen Stilen; aus (1), S. 282ff.

 


 

 
Gudrun Glaser - Lizensierte Trainerin der EWTO - Europäische Wing Tsun Organisation.  
   
 
G U D R U N   G L A S E R   -   T R A I N E R I N   F Ü R   W I N G   T S U N   S E L B S T V E R T E I D I G U N G
 
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